Archive for the ‘Bundestagswahl 2009’ Category

Sep
15

Tag Acht, Desaster Eins

Geschrieben von (Alex) in Bundestagswahl 2009, Hochtour am 15. September 2009

Der Tag hätte so schön anfangen können. Ausschlafen, gemütlich duschen, ausgiebig frühstücken, Emails checken und irgendwann ganz entspannt Richtung Mühlheim. Von Wegen: Um 11:30 klingelte das NRW-Handy. „Wo bleibt ihr?! Ihr solltet schon vor einer Stunde in Krefeld sein!“ Mir blieb kurz das Herz stehen. Hab ich etwa einen Termin verpennt? Der schnelle Blick in die Mappe verrät: Nein, hier steht nichts.

Okay gut, vielleicht ein Missverständnis. Zum Glück ist Anna in der Nähe. Doch dann wird klar: Der Termin in Krefeld steht tatsächlich. Irgendwo in meinem Postfach finde ich auch die Mail mit dem Betreff „Update“ und einem unscheinbaren Anhang: Unser Hochtourplan mit der entscheidenden Änderung. Verflucht. Dann hab ichs also doch verpeilt. Muss ich überlesen haben. Dabei wollten wir doch eigentlich den Preis absahnen für die reibungsloseste Tour. Den können wir jetzt wohl vergessen.

Okay, bei Krefeld entschuldigt und mit schlechtem Gewissen nach Mülheim: Memory-Aktion. Lief ganz gut, außerdem gabs was zu sehen: Die MLPD breitete sich neben uns zu ihrer Montags-Demo aus. Mit erstklassigen Songs wie „Es hat keinen Zweck, Hartz IV muss weg und mit ihm das ganze Berliner Kabinett“ wurden wir auf hohem Niveau politisch aufgeklärt. Danke dafür…

Zusätzlich durfen wir uns noch für die Peace-Zeichen auf unseren Hochtouren-Shirts rechtfertigen. Eine doch schon recht alte Dame behauptete das Zeichen sei ein umgedrehtes Kreuz und lies sich auch nicht davon abbringen. Sie nannte mich stattdessen nur den „Antichristen“.

Auf dem Rückweg kehrten wir dann wieder im „Zodiac“ ein, der vegan/vegetarischen Pizzeria in Essen. Und wenn ichs nicht besser wüsste, würde ich sagen: Heute war es noch leckerer. Lag vielleicht auch an dem Soja-Bananen-Shake, den ich mir zu meiner Pizza gegönnt habe. Einfach nur gut! Doch es wurde noch besser: Wieder in Bochum angekommen ist die erste Nachricht von Anna: „Wir müssen uns das anders überlegen mit den Updates, der Ost-Tour ist der gleiche Fehler passiert“ Jubelstimmung! Ich bin also doch nicht der Depp der Hochtouren! Nicht dass ich mich freuen würde, dass bei der Osttour Fehler passieren, aber doch, das mach ich!

So, zum Abschluss noch die Frage des Tages, vor fünf Minuten von Thio, der für die Hochtour übrigens seine Kunst-Akademie schwänzt, rausgelassen: „Bayern ist doch eines der reichsten Bundesländer der Welt, oder nicht?“

Sep
14

Quartier im Revier

Geschrieben von (Alex) in Bundestagswahl 2009, Hochtour am 14. September 2009

Anna öffnet uns strahlend die Tür und die Sonne geht auf! Wir sind endlich angekommen in unserem lang ersehnten Ruhrgebiets-Basislager. Das gemütliche WG-Zimmer mit den zwei leicht lädierten Matratzen werden sich Thio, Anna und ich die nächsten drei Tage teilen. Nach kurzem Austausch mit Anna gibts für mich nur eins: WLAN-Schlüssel her und ab ins Internet. Ich fühl mich schon fast wie Sascha Lobo (Der Web 2.0 Klassensprecher, der sich an Vodafone verkauft hat).

Der Tag fing bereits gut an. (Und das meine ich nicht sarkastisch!) Etwas zu früh standen wir in der Dortmunder Innenstadt und konnten Björn schon mal den Bahnhof zeigen, von dem aus er heute Abend den Heimweg antreten musste. Kurz nachgefragt, wie wir zur Reinoldikirche kommen, trafen wir dann auch auf die Grüne Jugend Dortmund. Die haben sich direkt den Strahlenschutzanzug einverleibt und uns praktisch die Arbeit abgenommen. Sehr angenehm, von uns kann das Ding nämlich niemand mehr sehen. Das nebenbei laufende Gerechtigkeitsmemory mussten wir zwar wegen Regen abbrechen und der Pavillon wäre uns auch beinahe davongefolgen, ich würde die Aktion aber dennoch als Erfolg bezeichnen.

In der Innenstadt war jedoch erstaunlich wenig los. Trotz eines City-Laufes und des Tages des offenen Denkmals waren nur wenige Menschen in der Stadt. Allerdings durften wir eine Schlägerei beobachten. Action pur. Sowas kenne ich gar nicht aus Oelde. Ich wäre am liebsten hin gerannt und hätte „weiter, weiter!“ geschriehen. Aber wir haben ja schon in der Grundschule gelernt: „Hört auf!“-Rufe sind das Ding! Zum Glück konnten sich die Steithähne auch ohne unsere Rufe wieder trennen und die Polizei regelte den Rest.

Danach ging es (wie könnte es auch anders sein) zum Essen. Und es war (ihr ahnt es wahrscheinlich schon…) mal wieder richtig gut! Wer noch nie beim Kartoffel-Lord in Dortmund war, muss das unbedingt nachholen! Der Arabic, den man grob als Soja-Gyros in Dürum-Brot beschreiben könnte, ist einfach unglaublich! Das mussten auch unsere Omnivoren zugeben.

Um 19:30 stampften wir dann mit Dortmunder GJ-Begleitung ins Kino: Inglorious Basterts. Zweieinhalb Stunden, die vorübergehen, als wären es zwanzig Minuten. Meiner Meinung nach ein wirklich guter Film, der Pulp Fiction vielleicht sogar seinen Rang abtrünnig machen wird. Es gibt nur einen Nachteil: Nach schätzungsweise vierzig Tonnen Popcorn auf Grünen-Rechnung liegen wir jetzt gekugelt auf unseren Matratzen und versuchen gequält unsere Darmträkte zum Verdauen anzuregen.

In diesem Sinne, gute Nacht!

Sep
12

Highlight: Essen in Essen

Geschrieben von (Alex) in Bundestagswahl 2009, Hochtour am 12. September 2009

Tag sechs. Wieder zwei Aktionen. Ich bin KO. Ein wenig Neid auf Björn, der sich morgen wieder nach BaWü aufmacht, lässt sich nicht leugnen. Hochtouren kennen nun mal keine Wochenenden. Der Tag begann in Essen. Wir hatten ein wenig gehofft, dass sich Kai Gehring vielleicht blicken lässt, waren dann aber auch mit der anwesenden Grünen Jugend Essen sehr zufrieden. Außerdem ist Thio zu uns gestoßen, der uns bis Donnerstag begleiten wird.

Wir durften uns direkt neben einem Ver.Di-Stand, der lautstark den Mindestlohn propagierte, ausbreiten, was vielleicht ganz nette Symbioseeffekte mit sich brachte. Wir konnten jedenfalls wieder eine Menge Material los werden. Viel zu berichten gibt es jedoch nicht.

Nach dem Stand gings zu einer vegan/vegetarischen Pizzeria in Essen, bei der es die leckerste vegane Pizza gab, die ich je gegessen habe. Ein echtes Highlight! Von da aus mussten wir weiter nach Moers, wo wir immer noch sind. „Die kleinste Großstadt Deutschlands“ hat dann unsere letzten Kräfte verschlungen. Gut, dass es morgen nur eine Aktion gibt.

Alles in Allem war es der anstrengendste Tag bisher, gleichzeitig aber auch der ereignisloseste. Darum fällt unser Blog heute auch etwas kürzer aus. Die Anderen wollen unbedingt noch raus und Nira aus Moers ist auch schon ganz heiß. Ich werd mich wohl mitschleppen lassen und mit meiner Müdigkeit kämpfen. Gute Nacht!

Sep
11

Der Wallfahrtsort

Geschrieben von (Alex) in Bundestagswahl 2009, Hochtour am 11. September 2009

Was für ein Tag. Nach nicht wirklich viel Schlaf durften wir heute gleich zwei Städte mit unserer Anwesenheit beglücken.Die erste Station war Kevelaer, der Wallfahrtsort.

Wallfahrtsort, das hört sich zunächst total konservativ und langweilig an. Ich assoziiere mit dem Begriff überproportional viele alte Menschen, Kirchen, Prozessionen und eine gewisse Unzugänglichkeit der Bevölkerung für sachliche Argumente. Ich liege aber auch ziemlich oft daneben mit solchen Assoziationen. Heute jedoch nicht.

Das erste, was wir in Kevelaer sehen durften war…? Richtig! Eine Prozession. Über meine entsetzte Frage: „Hilfe, habt ihr sowas jede Woche?“ konnte Jannik aus Kevelaer nur lachen. Solche Prozessionen gebe es jeden Tag! Bei ca. 1.000.000 PilgerInnen jedes Jahr kein Wunder. Wir hatten dennoch die Hoffnung, dass das nicht zwangsläufige Auswirkungen auf die Offenheit der Bevölkerung hat… und lagen damit falsch. Unsere Atommüllbehälter wurden zwar regelmäßig mit Spardosen verwechselt und hätten wir wirklich Geld gesammelt wären wir wahrscheinlich reich geworden, von grüner Politik wollte aber kaum jemand etwas hören. (Wobei nicht wenige der Passanten schon alleine aus Altersgründen nichts mehr hören konnten.) Irgendwie hat es die Situation aber dennoch geschafft uns ziemlich gut zu unterhalten. Es hat einfach Spaß gemacht. Außerdem wurden wir zum Abschluss in ein tolles chinesisches Restaurant eingeladen. Danke nochmal dafür!

Darauf ging es dann weiter nach Geldern, ebenfalls im Kreis Kleve. Über Geldern gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, es war aber zumindest auf den ersten Blick ein kleines und sympathisches Städtchen. Für uns gabs jedoch eine Premiere: Das Gerechtigkeitsmemory. Unser erster Eindruck: Es stinkt! Nicht bildlich, sondern wörtlich. Es riecht einfach verdammt stark nach Lack oder etwas aus dieser Richtung. Das hat sich aber nach zweieinhalb Stunden Spielen unter freiem Himmel gelegt.

Das Spiel selber ist ziemlich gut gelaufen. Wie geplant konnten wir unsere Ideen durch das Memory bestens vermitteln und gelegentlich hat sich sogar eine kleine Menschentraube um unseren Pavillon gebildet. Von dem Megafon haben wir allerdings die Finger gelassen. Irgendwie ist dieses Instrument für einen Dialog nicht wirklich gut geeignet und für uns und die Umgebung eher abschreckend. Ein bisschen lauter reden hats auch getan. Die Reaktion der Passanten war auch sehr positiv. So durften wir z.B. den sehr speziellen Ausspruch „Ich liebe die Grünen! Solange sie mir zwei Bier geben…“ vernehmen. Wir konnten zwar nicht wirklich viel mit dieser Art von Kritik anfangen, waren aber trotzdem sehr amüsiert.

Jetzt sitzen wir wieder in der Geschäftsstelle der Grünen Kleve und sind sehr gespannt auf die Essener Innenstadt, die uns morgen früh erwartet. Leider sind wir gerade nur noch zu dritt. Daniel hat sich in Geldern in den Zug gesetzt um auch pünktlich zum Studienanfang nächste Woche in Lille (Ja, in Frankreich!) sein zu können. Wir wünschen ihm viel Spaß dabei, mindestens so viel, wie wir gemeinsam auf der Hochtour hatten!

Mit diesem melancholischen Schlusswort bin ich auch fertig für heute, gute Nacht!

P.S: Okay, eine Sache hab ich doch noch vergessen. Nachdem fast jeder von uns im Laufe dieser Tour in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten ist (Björn weigert sich z.B., dass ich seines veröffentlichen darf), hat sich auch Anna heute in unseren Erinnerungen verewigt. Ihr einfacher Auftag war: „Folge dem Auto, das führt uns nach Kevelear!“ Sie ist grandios gescheitert. Dagmar, unsere Führerin (fällt euch ein besseres Wort dafür ein?), musste bestimmt drei bis vier mal anhalten, um auf uns zu warten und das war nicht einmal alles: Dagmar fährt fortlaufend durch einen Kreisverkehr, damit wir aufschließen können und wo ordnet sich Anna ein? Vor Dagmar! Wie soll sollen wir Dagmar bitte folgen, wenn sie hinter uns fährt? Wir haben gelacht.

Sep
11

Luxusausflug Kleve

Geschrieben von (Alex) in Bundestagswahl 2009, Hochtour am 11. September 2009

Kleve ist geil! Unglaublich, was uns hier geboten wird. Ich fang’ einfach direkt abends an, denn dass die Leute beim Wahlkampfstand wieder alle super nett und interessiert waren, will bestimmt eh niemand lesen. (Okay, uns wurden wirklich enorm viele Flyer abgenommen und die Stimmung war auch echt gut, dementsprechend kein Vergleich zu gestern.)

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Sep
10

Der Parkplatz

Geschrieben von (Alex) in Bundestagswahl 2009, Hochtour am 10. September 2009

Tag 3,

eine kurze Übersicht:

Besondere Ereignisse: Keine. (Zumindest nicht am Wahlkampfstand)

Interessante Gespräche: Keine. (Zumindest nicht mit Passanten)

Kaputte Handys: Eins. (Zumindest für mehrere Stunden)

Abgewürgte Bullis: Einer. (Zumindest während Eike am Steuer saß)

Intellektuelle Aussetzer: Einer (Natürlich bei mir)

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Sep
09

Die Montogolfiade

Geschrieben von (Alex) in Bundestagswahl 2009, Hochtour am 9. September 2009

Tag zwei. Aktion zwei. Geschichte zwei. Und sie beginnt morgens um halb 9. Da klingelte der erste Wecker. Mein Wecker. Denn heute war ich der Gastgeber. Oelde, meine Heimatstadt, liegt fast auf der Route von Göttingen nach Warstein, es hatte sich also angeboten bei mir zu Hause Station zu machen. Zumal es wahrscheinlich ein komfortablerer Schlafplatz war, als es die Geschäftsstelle in Göttingen gewesen wäre. Es gab jedenfalls keine Beschwerden.

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Sep
08

Drei Tage wach

Geschrieben von (Alex) in Bundestagswahl 2009, Hochtour am 8. September 2009

„Auf geht’s, ab geht’s, drei Tage wach“ wird nicht nur das Motto der nächsten BuKo sein, es ist auch die passendste Überschrift für die ersten 72 Stunden der Hochtour NRW. Nachdem wir, zusammen mit hunderten DemonstrantInnen aus ganz NRW und RLP, bereits mitten in der Nacht von Freitag auf Samstag in den Sonderzug zur Anti-Atom-Demo nach Berlin steigen durften wussten wir: Das wird ein langes Wochenende! (Für mich hieß das: Samstag morgens um 3:30 Uhr aus dem Bett, da lieg ich normalerweise noch garnicht drin!)

Und wir sollten recht behalten: Nach der erfolgreichen Demo mit ca. 50.000 TeilnehmerInnen ging es zügig nach Wertpfuhl zum Auftaktfestival der Hochtouren. Aber auch das volle Programm dort hat keine Erholung zugelassen. Dafür sind wir jetzt wieder fit in Erster Hilfe, spritsparendem Fahren und dem Argumentieren in verschiedenen Themenfeldern. Dazu kamen noch vielseitige Diskussionen, Aktionstraining und nicht zu vergessen: gutes Essen.

Montag morgens waren wir also bestens vorbereitet zum Start auf die Hochtour durch NRW! Erste Station: Göttingen. Ist zwar nicht in NRW, lag aber trotzdem auf unserer Route. Auch wenn wir während der Fahrt Momente hatten, in denen wir uns nicht sicher waren, ob wir das richtige Göttingen ansteuern (wisst ihr, wie viele Göttingen es gibt!?) und uns auch noch dieser verfluchte Bulli von der Nordtour (oder war es NDS?) überholt hat, sind wir gut und vor allem pünktlich angekommen. Nach langem Packen, Kramen und Sortieren des Materials ging es dann auch los mit der Aktion, die wir in den nächsten drei Wochen schwerpunktmäßig durchführen werden: Die Anti-Atom-Aktion.

Diese Aktion ist schnell erklärt und den Meisten wahrscheinlich bekannt. Zwei bis Drei AktivistInnen quetschen sich in einen lebensechten Strahlenschutzanzug, strecken ein wenig Fake-Plutonium mit einer Zange möglichst weit von sich weg und sprechen PassantInnen mit Sätzen wie „Die Asse ist voll, haben Sie vielleicht noch Platz für etwas Atommüll?“ oder „Wir wissen nicht wohin damit, wollen Sie vielleicht was hiervon haben?“ an. (Es geht dabei übrigens um Anzüge, in denen schon der ein oder andere Soldat seine Feldübungen gemacht hat, was wohl auch für die passenden Gasmasken gilt. Ich würd’ mich nicht einmal wundern, wenn da drin schon wer gestorben ist…)

Die Aktion hat dann auch – entsprechend unserer Erwartungen – sehr gut geklappt und lief insgesamt besser als der Aufbau des passenden Standes. Da hatte nämlich jemand nicht bedacht, dass man die Plane des Pavillons erst nach dem Aufbau des Gestänges am selbigem befestigen sollte. Durch diesen schweren Konstruktionsfehler hätten wir es beinahe geschafft, schon am ersten Tag den Pavillon zu vernichten. Auf den Anruf bei Carola und Anna hätte ich mich gefreut. Es ist aber dann doch nur bei einer kleinen Delle geblieben.

In diesem Sinne: Wenig geschlafen, viel geschafft, Danke!