Was für ein Tag. Nach nicht wirklich viel Schlaf durften wir heute gleich zwei Städte mit unserer Anwesenheit beglücken.Die erste Station war Kevelaer, der Wallfahrtsort.
Wallfahrtsort, das hört sich zunächst total konservativ und langweilig an. Ich assoziiere mit dem Begriff überproportional viele alte Menschen, Kirchen, Prozessionen und eine gewisse Unzugänglichkeit der Bevölkerung für sachliche Argumente. Ich liege aber auch ziemlich oft daneben mit solchen Assoziationen. Heute jedoch nicht.
Das erste, was wir in Kevelaer sehen durften war…? Richtig! Eine Prozession. Über meine entsetzte Frage: „Hilfe, habt ihr sowas jede Woche?“ konnte Jannik aus Kevelaer nur lachen. Solche Prozessionen gebe es jeden Tag! Bei ca. 1.000.000 PilgerInnen jedes Jahr kein Wunder. Wir hatten dennoch die Hoffnung, dass das nicht zwangsläufige Auswirkungen auf die Offenheit der Bevölkerung hat… und lagen damit falsch. Unsere Atommüllbehälter wurden zwar regelmäßig mit Spardosen verwechselt und hätten wir wirklich Geld gesammelt wären wir wahrscheinlich reich geworden, von grüner Politik wollte aber kaum jemand etwas hören. (Wobei nicht wenige der Passanten schon alleine aus Altersgründen nichts mehr hören konnten.) Irgendwie hat es die Situation aber dennoch geschafft uns ziemlich gut zu unterhalten. Es hat einfach Spaß gemacht. Außerdem wurden wir zum Abschluss in ein tolles chinesisches Restaurant eingeladen. Danke nochmal dafür!
Darauf ging es dann weiter nach Geldern, ebenfalls im Kreis Kleve. Über Geldern gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, es war aber zumindest auf den ersten Blick ein kleines und sympathisches Städtchen. Für uns gabs jedoch eine Premiere: Das Gerechtigkeitsmemory. Unser erster Eindruck: Es stinkt! Nicht bildlich, sondern wörtlich. Es riecht einfach verdammt stark nach Lack oder etwas aus dieser Richtung. Das hat sich aber nach zweieinhalb Stunden Spielen unter freiem Himmel gelegt.
Das Spiel selber ist ziemlich gut gelaufen. Wie geplant konnten wir unsere Ideen durch das Memory bestens vermitteln und gelegentlich hat sich sogar eine kleine Menschentraube um unseren Pavillon gebildet. Von dem Megafon haben wir allerdings die Finger gelassen. Irgendwie ist dieses Instrument für einen Dialog nicht wirklich gut geeignet und für uns und die Umgebung eher abschreckend. Ein bisschen lauter reden hats auch getan. Die Reaktion der Passanten war auch sehr positiv. So durften wir z.B. den sehr speziellen Ausspruch „Ich liebe die Grünen! Solange sie mir zwei Bier geben…“ vernehmen. Wir konnten zwar nicht wirklich viel mit dieser Art von Kritik anfangen, waren aber trotzdem sehr amüsiert.
Jetzt sitzen wir wieder in der Geschäftsstelle der Grünen Kleve und sind sehr gespannt auf die Essener Innenstadt, die uns morgen früh erwartet. Leider sind wir gerade nur noch zu dritt. Daniel hat sich in Geldern in den Zug gesetzt um auch pünktlich zum Studienanfang nächste Woche in Lille (Ja, in Frankreich!) sein zu können. Wir wünschen ihm viel Spaß dabei, mindestens so viel, wie wir gemeinsam auf der Hochtour hatten!
Mit diesem melancholischen Schlusswort bin ich auch fertig für heute, gute Nacht!
P.S: Okay, eine Sache hab ich doch noch vergessen. Nachdem fast jeder von uns im Laufe dieser Tour in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten ist (Björn weigert sich z.B., dass ich seines veröffentlichen darf), hat sich auch Anna heute in unseren Erinnerungen verewigt. Ihr einfacher Auftag war: „Folge dem Auto, das führt uns nach Kevelear!“ Sie ist grandios gescheitert. Dagmar, unsere Führerin (fällt euch ein besseres Wort dafür ein?), musste bestimmt drei bis vier mal anhalten, um auf uns zu warten und das war nicht einmal alles: Dagmar fährt fortlaufend durch einen Kreisverkehr, damit wir aufschließen können und wo ordnet sich Anna ein? Vor Dagmar! Wie soll sollen wir Dagmar bitte folgen, wenn sie hinter uns fährt? Wir haben gelacht.